Subkulturen: Die gemeinsamen Sehnsüchte in einer bunten Welt erkennen

In einer "bunten Welt" sind die Dinge in Bewegung. Ständig werden die Rahmenbedingungen einer Gesellschaft überdacht, Alternativen werden ausprobiert und die Zukunft wirkt als die Gelegenheit, um Träume zu verwirklichen. Wenn die zentralen Normen, gelebt in einer Alltagskultur, nicht mehr tragfähig erscheinen, bilden sich Subkulturen. Sehnsüchte werden so groß, dass nach neuen Wegen der Lebendigkeit gesucht wird. Vor allem die jungen Menschen revolutionieren die mitunter festgefahrenen Welten der "Alten Garden". Allerdings besteht in einer Wohlstandsgesellschaft mit übersteigertem Kapitalismus unserer Meinung nach folgende Gefahr!

Rücken Subkulturen in das öffentliche Bewusstsein, droht die Kommerzialisierung.

Sind Subkulturen zunächst auf die Schaffung einer Alternative zur zentralen Norm gerichtet, verkommen sie in einer exzessiv betriebenen Konsumgesellschaft schnell zu einem "farbenfrohen Mantel" ohne Inhalt und anschließend zum hedonistischen Kult. Sehnsüchte, die ursprünglich zu kreativen und starken Willensbildungsprozessen geführt haben, drohen wieder ins Unentdeckte zu versinken. Statt dessen werden die Reste der Atmosphäre des einst Revolutionären durch maßlose "Materialschlachten" reanimiert, wobei die Halbwertzeit stetig sinkt. Ein alternativer Lebensstil verkommt zur Droge. Selbstinszenierung oder Messenhypnose können in den Vordergrund rücken. Dieser Prozess wiederholt sich ständig und beschleunigt sich nach Meinung unserer Experten aus der Futurologen-Abteilung exponentiell. Immer mehr Sehnsüchte werden unter Konsumgepränge begraben und erfahren nur scheinbar eine nachhaltige Befriedigung.

Die Avantgarde wird dabei im Stich gelassen. Zukunftskonzepte bleiben wenig erprobt oder überstehen die Konfrontation mit dem Establishment nicht.

Doch die Kräfte der Veränderung versiegen nicht. Im Gegenteil! Die Sehnsüchte werden immer stärker und unkontrollierter. Neue Subkulte entstehen. Immer fantasievoller wird die zentrale Norm umgangen. Wie durch ein Naturgesetz angetrieben, versucht das Leben immer fortschreitend einen Ausgleichsprozess zwischen starrer zentraler Norm und Anpassung für zukünftige Zeiten zu erzwingen. Immer wieder brechen die Sehnsüchte durch und veranlassen kreative Köpfe neue Ansätze von alternativen Lebensstilen zu erforschen. Die Avantgarde ruht nie! Doch würde die heutige Vielfalt an Subkulturen überhaupt existieren, wenn nicht immer wieder die auf Veränderung ausgerichteten Kräfte im Konsumwahn und anschließenden Hedonismus erschlaffen. Kannibalisieren sich die Subkulte inzwischen sogar gegenseitig und verlieren somit an Vortrieb für das Eigentliche? Stellen Subkulte wirklich noch eine zukunftsfähige Altnernative dar oder beherrscht sie nur noch der Wille zur Realitätsflucht?

Als Folge wäre eine Gesellschaft trotz vieler Subkulte weniger wandlungsfähig, da es die konstruktiven Spannungen - erzeugt durch Diskurse - dringend in einer gebündelten Qualität bräuchte, um langfristig "überlebensfähig" zu bleiben.

Somit würde eine Gesellschaft für immer Weniger einen lebenswerten "Menschenpark" bieten. Am Ende zerbricht die Gesellschaft an der zentralen Norm oder vielmehr am Stillstand, obwohl alles so bunt und individuell erscheint. Doch ist der Wunsch nach Buntheit wirklich so individuell, wenn ihn am Ende jeder hat? Und ob nach dem Kollaps eine tragfähige Alternative vorhanden ist, wagen wir bei all der Zersplitterung und Vielfalt der Subkulte nicht zu sagen, wobei der Zweifel überwiegt.

Und auch wenn wir vom Menschenpark nichts gegen eine bunte Gesellschaft haben, so erstaunt es uns immer wieder, wie wenig die jeweiligen Anhänger der Subkulte ihre Gemeinsamkeiten mit anderen Subkulturen erkennen, ihre Sehnsüchte als ähnlich anerkennen und die Voraussetzung akzeptieren, dass viele Facetten einer konsumorientierten Subkultur ohne eine starke und somit tragfähige Alltagskultur verloren gehen würden.  

Ob wir zu viele Subkulturen haben und ob es einer Arrondierung bedarf, vielleicht ist es nicht wichtig. Jedoch könnte es durchaus möglich sein, dass Generationen ein in sich stabiles Kulturverständnis haben sollten, welches die Zukunft tragen kann. Und dafür lohnt sich ein neugieriger Blick auf die Subkulturen, die mir fremd oder gar bösartig erscheinen.

Schließlich wollen wir am Ende gemeinsam eine bunte Welt in die Zukunft führen und dafür lohnt es sich Gemeinsamkeiten zu erkennen, die am Ende den Konsens darstellen, der unsere zukünftige Alltagskultur werden wird. Somit müssten nicht Konsumwahn, Selbstinszenierung oder Realitätsflucht unsere Subkulturen prägen. Zudem lohnt sich ein Blick, auf die Wurzeln der eigenen Subkultur. Dadurch würde vieles deutlich, warum unsere Sehnsüchte so unverständlich geworden sind.

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