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23.05.2012 15:35 Alter: 6 yrs
Kategorie: Futurologen-Abteilung

Sprache & Subkultur – mehr Verständnis für das Missverständnis nötig?


Ludwig Wittgenstein - Begründer der sprachanalytischen Philosophie

Ludwig Wittgenstein - Begründer der sprachanalytischen Philosophie

Begriffe sind schwer zu definieren oder gar als feste Werte wie in der Mathematik zu verankern. Laut dem Spätwerk von Ludwig Wittgenstein, einer der Begründer der sprachanalytischen Philosophie, scheint es gar unmöglich, Wörter oder gar eine ganze Sprachen gegen Missverständnisse durch klare Definitionen abzusichern. Daher sind gerade Anhänger von Subkulturen durch Gebrauch szenetypischer Sprachkreationen Missverständnissen gegenüber der Alltags-normierten Welt ausgesetzt, manchmal sogar ausgeliefert.

Vielleicht ist daher eine Welt wünschenswert, in der wir uns darüber bewusst werden, dass wir häufig in dem Erzählten des Anderen die Begriffe lediglich so verstehen und verstehen wollen, wir wir sie uns selbst definiert haben. Darüber hinaus wäre es vielleicht eine Erleichterung für das Zusammenleben, wenn wir das kaum vorhandene Interesse daran wie das Gegenüber die Begriffe gebraucht und erfahren hat, überwinden würden. Es scheint vielmehr so, dass lieber „Grabenkämpfe“ um die richtige Definition geführt werden, um Macht und Herrschaft gegenüber einer Gruppe abzusichern, die man nur all zu schwer einschätzen kann und somit nach der Ur-Natur des Menschen nahezu fürchtet. Schließlich ist ein missverstandener Andersdenkender in der Regel leichter zu deformieren.

Unverändert tritt so leider die Neugier aber auch die Gewissheit darüber, dass der Andere uns immer ein Stück weit fremd bleiben wird in den Hintergrund und es wird verhindert, dass wir von empfindsamer Demut vor dem Geist des Anderen erfüllt werden. Das Zuhören würde um so mehr interessanter werden, weil wir im Grunde eine Welt erahnen könnten, die beschrieben, selbst durch festgelegte Definitionen und identische Wortreihen verwendet, sich niemals unserer eigenen Vorstellungswelt gleichen kann. Welch eine Aussicht auf ein „vielfältiges Buntes“ und ein Weg, um Fremdheit nicht fürchten zu müssen. Denn Sprache ist ein Spiel mit der Unendlichkeit der Möglichkeiten und Menschen müssten nicht mehr so oft ausgetauscht werden, Beziehungen aller Art würden länger halten, vorausgesetzt wir stärken unsere Vorstellungskraft. Und wer Angst vor dem ständigen Missverständnis hat, der kann sich immer noch der Verwandtschaft der vielen Bedeutungen, die sich um einen einzigen Begriff herum winden, bewusst werden. Denn vertraute Fremdheit hält länger als der Irrglauben daran, den Anderen genau zu kennen und anhand seiner Worte verstehen zu können. Wie gesagt, wie würden weniger austauschbar. Und wir bräuchten weniger Verständnis für das Missverständnis von Sprache, sonder vielmehr ein Bewusstsein dafür, dass wir trotz des unglaublichen Fortschritts, immer noch Wesen sind, die Fremdes auf Grund von Angst durch gezieltes Missverständnis in der Deutung der Begriffe ausgrenzen.