04.05.2012 19:02 Alter: 6 yrs
Kategorie: Rückblicke

Männerkult in der Skinhead-Kultur


die Reggea/Ska-Band Symarip - Vorbild junger Proletarier in den Arbeitervierteln in England Ende der 1960er

Idole der 1. Skinhead-Generation (Reggea/Ska-Band Symarip)

Ursprünglich entstand die Skinhead-Kultur unter Einfluss der Mods (vor allem Scooter Boys und Northern Souls) und den Rude Boys. Rude Boys waren „schwarze“ meist jamaikanische Proletarier, die eine raue Männerkultur mit Reggae/Ska-Kultur verbanden. Die Mods standen für eine Abgrenzung von Hippies und bürgerlicher Spießigkeit. Somit entstand eine Subkultur, die „schwarze“ und „weiße“ „hard-working-class“-Kultur verband, deren Idole vornehmlich „schwarzen“ Reggea- & Ska-Bands angehörten. Deswegen auch gerne das Schachmuster in Tattoo-Kompositionen.

 

Erst in den 70ern nahmen militant-rechtsradikale Gruppierungen die Skinhead-Kultur auf und wurden fortan in der Berichterstattung der Medien gegenüber der 1. Generation von Skinheads bevorzugt thematisiert. Das wirkte auf weitere Rechtsradikale anziehend, weswegen eine neue Hochphase der Skinheads eingeleitet wurde. Die 2. Generation von Skinheads war demnach auch Medien-produziert. Möglich wurde dies erst durch die Oi-Punk-Bewegung, die sich gegen die Kommerzialisierung des Punk stemmte. Sie griff Elemente der Skinhead-Bewegung auf und löste vielerorts die „schwarzen“ Idole der 1. Skinhead-Generation ab. Damit war der Weg frei für rechtsradikales Gedankengut in Verbindung mit der Skinhead-Kultur, da man nun (platt-gesagt)„weißen“ Idolen nacheifern konnte.

 

Doch was beide Skinhead-Generationen immer noch verbindet, ist die Pflege eines vermeintlich „ehrlichen aber harten Männerkults“. Streitigkeiten werden mit Fäusten ausgetragen, scheinheilige Höflichkeit wird abgelehnt. Ist es als Mann legitim einen solchen Kult zu pflegen, indem die Sehnsucht nach harte Arbeit, ehrlicher und verbindlicher Freundschaften und Abgrenzung zu bürgerlicher Spießigkeit Ausdruck findet? Oder sind es gerade die Erfahrungen mit solch einer Subkultur, die ein Ende nötig macht? Wird es solche Sehnsüchte immer geben und müssen wir diesen Platz in unserer Gesellschaft einräumen? Und werden Kulturen, die das nicht schaffen, irgendwann von den archaischen Kräften überrollt? Übrigens sind die Skinheads nur eine Subkultur, in denen sich dieses Phänomen und die Sehnsucht nach der Arbeiterkultur des frühen 19. Jahrhunderts äußert. ...