Der Gulagismus - strenge Bipolarität

Außenfassade einer selbsttragenden Komplexeinrichtung
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In der Welt des Gulagismus werden in einzelnen Gebäudekompexen Millionen von Menschen untergebracht sein. Jedes Gebäude funktioniert unabhängig vom Außen. Es sind selbsttragende Einheiten. Jedoch ist für die Organisation solcher Einrichtungen strenge und langfristige Planung nötig. Jeder wird von Geburt an einer bestimmten Aufgabe zugeteilt, die er sein Leben lang ausfüllen muss. Mitunter können Experten nur schwer ersetzt werden.  Der Einsatz von Robotern ist dabei nur bedingt möglich, da Rohstoffe  unzureichend zur Verfügung stehen. Zudem sind negative Erfahrungen mit künstlicher Intelligenz gemacht worden. Die Abneigung gegen Robotertechnik ist weit verbreitet.

Auch in dieser Welt kommt es zu Verbrechen. Vor allem die Kontaktaufnahme zu anderen Gebäudeeinheiten ist strengstens verboten. Es sind in erste Linie die Krankheiten, die sich in den autarken Systemen unabhängig voneinander entwickelt haben, die Sorge bereiten. Viren, die in einem Gebäudekomplex auf resistente Immunsysteme der Einwohner treffen, können in anderen für eine Epidemie sorgen. Zudem spielen okkulte und spirituelle Pseudoreligionen eine Rolle. Wahrscheinlich eine Art Selbstschutz, die das Übertragen von Krankheiten nachhaltig verhindern soll. Besonders dramatisch sind einige Erfahrungen im Fachkräfteeinkauf. Große Kapitalmengen wurden früher ausgegeben, um bei Expertenmangel in anderen Einrichtungen Ersatz anzuwerben. Jedoch fielen ganze Komplexe den Krankheiten zum Opfer, die trotz großer Vorsorge ausbrachen. Deswegen wurden auch die letzten Kontakte zwischen den Gebäudeeinheiten abgebrochen. Bei Zuwiderhandlung gegen die "Anti-Kontakt-Gesetze" droht der Gulag. Die genaue Aufenthaltsdauer, das Strafmaß, wird nie bei der Verurteilung bekanntgegeben. Das Entlassungsdatum wird für den Insassen erst am Tag der Freilassung ersichtlich. Gulagaufenthalt ist zudem die einzige Form der Bestrafung. Sie geht mit Besitzeinschränkungen, Kleiderordnung etc. einher.

Dadurch entstehen im Grunde genommen zwei Kasten. Die Gulaginsassen und die Unbestraften. Die sozialen Schranken sind so stark ausgeprägt, dass sich keinerlei Subkulturen bilden können. Den Menschen genügt anscheinend die Abgrenzung, die sie durch diese Teilung erfahren. Und das gilt auch für die Gulagbewohner. Sie werden systematisch in ihrem Habitus geprägt und mit Ideologie gefördert. Wer einmal bestraft wird, unterliegt meistens einer hohen Rückfallquote.

Da die Arbeitskraft dringend gebraucht wird, werden die Insassen des Gulags  weiterhin mit den Unbestraften in gemeinsamen Arbeitsprozessen integriert. Dadurch wird die Bipolarität ins unendliche gesteigert, da ständig der Konkurrenzkampf in den Vordergrund gestellt wird. Sollte es jedoch zu körperlichen Übergriffen kommen, droht die Todesstrafe oder die Verbannung, welche auf das Gleiche hinaus läuft. Der durch die Bipolarität geförderte Konkurrenzkampf ist dringend nötig geworden, da die Mehrheitsgesellschaft anscheinend ein Außen braucht, um beständig zu streben. Dieses Außen war mit dem Abbruch jeglicher Kontakte zur Außenwelt verloren gegangen.